Samstag, 14. März 2009

der dreizehnte dritte und andre erfreulichkeiten

Hier sind noch paar Fotos von Ende Februar, als ich das erste von mittlerweile mehreren Malen mit meinen 哥们儿 (gemenr: große Brüder/Kumpels) weg war am Wochenende.
oben rechts Senda Hiroshi (Qian Chao, der Japaner aus der Band), unten Hada, ein Freund der Bandchinesen.


Quan Ge, der Sänger, der jeden Tag im Freibad schwimmt.
links Tian Xuanhui und Yong aus Korea

Fabian hat an dem Abend geDJt.
Dann eines anderen Abends war ich bei den Jungs in ihrem Zimmer, weil ein chinesischer Deutscher für ein Monat hier ist und gut Gitarre spielen kann, in Deutschland eine offenbar recht gute Band hat (www.fry-music.de), und da mit den Burschen gejammt hat.









Danach waren wir wo trinken, wo wir diesen 帅哥 (shuaige: fescher Typ/Bruder) aus Korea getroffen haben.

Hier das letzte Foto von mir mit 22. Wie jeden zweiten Tag seit 2 Wochen eine Ananas verspeisend.
Und dann. Mein Geburtstagstag war einzigartiger und merkwürdiger, als ich es mir erträumt hatte. Es war ein kaltfeuchter Lackentag mit Wind und 80% Niederschlagswahrscheinlichkeit, doch in meinem Herzen ist die Sonne aufgegangen. In der "Schule" hat mir die ganze Klasse auf chinesisch Happy Birthday gesungen und dann jede Nationalität auf ihre Sprache alles Gute gewünscht. Ich hab Blumen und Kuchen gekriegt und war danach mit 10 Leuten beim Koreaner essen...
... und hab einen Stempel geschenkt gekriegt mit meinem chinesischen Namen und einem Tiger drauf (weil im Jahr des Tigers geboren).

Und der Knaller überhaupt war, dass Jasper und Andrew mir eine Torte besorgt hatten ("Das Kriterium war: sie muss grün sein, und sie muss freakig sein. Die Fische waren nur Zufall."). Das Furchterregende an chinesischen Torten ist, dass man keinen Ofen braucht, um sie zu machen.





Nach einem zwei-Stunden-Nickerchen bin ich dann mit Li Qi (dem chinesischen Deutschen) und Li Jiaqi und Quan Ge von der Band und Jasper essen gegangen und dann sind wir mit noch zwei Freunden auf den anderen Campus gefahren, weil da eine Party mit Band steigen sollte um 7 abends. Little did I know... Da waren ein paar Handvoll Chinesen versammelt und ab und zu hat sich wer erbarmt und auf Wunsch der enthusiastischen Animatorin ein Lied gesungen. Gut, so angespannt wars auch wieder nicht, aber ich bin mir schon wieder ne Spur seltsam vorgekommen als fast einzige Westlerin. Dann gabs eine Band von vier Koreanern, die da echt abgegangen sind und Punkrock gespielt haben.

Mnja und weil Li Qi gemeint hat, da er in zwei Wochen schon wieder heimfährt nach Deutschland, ist das möglicherweise seine letzte Chance, mit uns zu jammen (weil wir grad keinen Proberaum haben und auch nimmer gespielt haben seit Jänner). Und eh ich mich's versah/zwei Biere später bin ich am Schlagzeug gesessen und mit Li Qi an der Gitarre und Li Jiaqi am Bass abgegangen wie ein Kleinkind mit Zuckerschock.


Und das war einfach wahnsinnstoll!!! Ich war selbst überrascht, wie leicht mir das Spielen nach so langer Zeit gefallen ist, und noch dazu erstmals mit Li Qi. An dem Abend wurde ich mehr als je zuvor mit dem Adjektiv 牛避 (niubi: saugut/ irre toll/ wahnsinn. (im Original angeblich: die primären Geschlechtsteile einer Kuh)) bedacht, und wie ich gesehen hab, dass ich so 牛避 gespielt hab, dass mein einer Finger minimal geblutet hat, haben in sekundenschnelle Li Jiaqi und Quan Ge ein Pflaster hergezaubert und mich verarztet. Dann hat die Meute der Zuhörer verlangt, dass wir ein Lied aus unserer Heimat singen sollten, woraufhin wir einstimmig Wonderwall von Oasis angestimmt haben.

Danach hat Li Qi kurz allen beigebracht, auf Deutsch Hoch soll sie leben zu singen, was die dann getan haben. Was für ein irrer Moment, das aus den Mündern von ein paar Dutzend Chinesen zu hören, während vier Typen den Sessel mit mir drauf in die Luft gehoben und ordentlich zu Hoch raufgeschubst haben!! Zum Abschluss durften wir uns noch an der Mauer unterschreiben, weil der Ort offenbar so ein Bandproberaum ist.
Quan Ge und Jasper
die Meute.
Danach ging's ab in den Joy Luck Club.
Ich und Li Qi.


Dann nahm der Abend eine böse Wendung, da ich mit meinen blutjungen 23 Jahren trotzdem nicht vor Torheit gefeit bin (yeaa!!) und doch echt gedacht hab, ich kann mit den Jungs, allen voran Quan Ge, beim Trinken mithalten. But who would'a thunk, I cannot hold my liquor anymore like I used to in good ole Ireland.
...ohne Worte...


und der Rest ist Schweigen... bis auf: ich habs echt geschafft, nachdem ich mich irgendwie um Mitternacht in ein Taxi gequält und ohne es vollzureihern bis zum Camus (haha Verschreiber!! Campus) gekommen und dann bis in mein Zimmer gekrochen bin, beide Blumenvasen, also eigentlich Teegläser, umzustoßen und das Wasser über den Salat von Laptop- usw.-Kabeln zu ergießen.
Gott sei Dank hab ich auch das überstanden und war heute* erst mit He Zheng Hao essen und auf der Wiese hinter der Bibliothek über denn Sinn des Lebens sinnieren (auf chinesisch, versteht sich), und dann mit Quan Ge und Li Jiaqi (der eine Kalabassenbambusflöte mithatte und gespielt hat) und Andre aus D drei Stunden Bergsteigen/Wandern, da heute das Wetter wieder kurzärmlige Bekleidung zugelassen hat. Der Frühling. ist. da.

*Heute ist Weißer Valentinstag, was wohl aus Japan und Korea übernommen wurde. Am Valentinstag schenken ja die Buben den Mädchen Blumen oder Geschenke, und die Mädchen haben dann ein Monat Zeit, zu entscheiden, ob sie die Buben mögen, und können am heutigen Tag was zurückschenken. Angeblich.

Donnerstag, 5. März 2009

frühlings erwachen

Nach drei Wochen voller Regen scheint heut erstmals bissl die Sonne, das war angeblich auch eine abnormal lange Regenzeit. Das neue Semester hat angefangen und ich bin von Level 3 auf 5 (von insgesamt 7) aufgestiegen, was schon hart war in der ersten Woche. Wir haben vier Lehrer, Sprechpraktikum (die Lehrerin sieht aus wie ein Tier oder was aus Animaniacs, wie 18, ist aber 27, klein und viel zu zuckersüß/freakig um wahr/menschlich zu sein), Schreibpraktikum, Textlektüre (60-jährige Lehrerin, die früher Pekingopernsängerin war und sehr Oma-haft witzig/entspannt ist, zu Neuankömmlingen in der Klasse sagt, sie müssen so wie wir alle ein Lied vorsingen (was wir nicht mussten), weil sie das Chinesisch-Level testen will, was dazu führt, dass schüchterne Koreaner echt voll aus sich rausgehen und vor allen singen.) und Grammatik. Laut der Grammatiklehrerin sollten wir auf unserem Level einen Wortschatz von 8000 chinesischen Zeichen haben, weil wir quasi die höchste Stufe vom Fortgeschrittenenlevel (also dem Mittellevel) sind, danach im hohen Level hat man über 10 000. Wir lernen jede Woche rund 300 neue Vokabeln. Mittwochs haben wir frei und ich hab mit einem Japaner Sprachaustausch Japanisch und Englisch (auf Chinesisch). Mein Entschluss, in dem Semester meine sämtlichen asiatischen Beziehungen zu fokussieren (auf sie zu fokussieren? Deutsch kann ich auch nicht mehr.) und zu vertiefen, geht erstaunlich gut beziehungsweise bieten sich plötzlich von überall her Möglichkeiten oder es melden sich vor Monaten gemachte Bekanntschaften. Sonst noch... Youzi sind grad überall in Gehweite ausverkauft, mein Hinterreifen am Rad ist permanent platt, die Jungs aus der Band schauen koreanische Soap-Operas (man stelle sich den Sänger im Megadeath-Tshirt und den Gitarrenspieler in japanisch-stylischem Gewande vor: "Und hast du gesehen, X und Y..." "Was?" "... sie haben jetzt geheiratet!" "Was?!" etc), ich hab noch keinen Plan für Geburtstagfeiern und es sind nicht alle guten Freunde hier, Chinesen werden in manchen Bars offen diskriminiert, in meiner Klasse gibts 13 Nationalitäten (rund 25 Leute) und keinen einzigen Amerikaner, ich liebe Shrimps/Krabben(?!?)baozi mit scharfer Glasnudelsuppe mit Rindfleischstückerln drin, ich vermisse Cornflakes mit Milch (obwohl man das hier schon auch kriegt), mein Sonderstatus als einzige Österreicherin, den ich letztes Semester so gepflegt hab, ist seit gestern auch verloren, ... und: der Frühling stakst auf wackeligen Beinen zur Musik von Calexico, den Beatles und サカナクション daher.