Samstag, 31. Januar 2009

Nasenhaare und Japaner.

Ich bin momentan gefesselt von einem japanischen Lied, das ich zufällig entdeckt habe, weil mir unser Gitarrist ein Lied von Sakanaction empfohlen hatte. Mein erstes japanisches Wort, das ich durch das Lied gelernt habe, ist jetzt Hanagebô, was Nasenhaar heißt.
Seht selbst: http://www.youtube.com/watch?v=KxoG2S_A5vw&feature=channel
Ich bin außerdem immer faszinierter von chinesischen Zeichen, zum Beispiel 卵 heißt Eizelle. Wahnsinnig pittoresk. Und ich habe in den Ferien in Shandong DEN chinesischen Klassiker "Die wahre Geschichte des A Q" von Lu Xun auf Englisch und Chinesisch gelesen. Das ging ganz gut.

Freitag, 30. Januar 2009

frühlingsfest in shandong

Ich wurde vor einiger Zeit von einer Deutsch studierenden Chinesin eingeladen, mit ihrer Familie in Jinan, Shandong, das Frühlingsfest zu verbringen. In der stressigen Prüfungs- und Verabschiedungszeit habe ich zugesagt und unüberlegt zugestimmt, dass wir am Abend nach der letzten Prüfung schon in den Flieger steigen würden, um zwei Wochen bei ihrer Familie zu wohnen. Es war eine spannende und vor allem auch sehr anstrengende Zeit, diese zwei Wochen. Die Eltern konnte ich so gut wie gar nicht verstehen, da sie Shandong-Sprache, also einen Dialekt von Mandarin, gesprochen haben und sich nicht bemüht haben, es mir leichter zu machen. Die Mutter hat nur immer lauter gequäkt, wenn sie mit mir geredet hat, meistens um mir zu sagen, ich solle mehr essen oder mich nicht verkühlen. Es war dort rund -9°C, aber in Wohnungen und Gebäuden geheizt, woran ich mich erst wieder gewöhnen musste. Dafür gab es aber blauen Himmel und Sonnenschein. Yangzi, die Tochter, hat mit mir jeden Tag Ausflüge unternommen und mir die touristischen Attraktionen Jinans gezeigt.




Hier waren wir ion einem Esensviertel, wo es lauter kleine Stände gibt. Ja, auf den Ballons steht Coca-Cola.



Am ersten Abend war ich mit der Familie Hotpot essen, da gab's in dem Topf in der Mitte ein Feuer, und das Essen auf den Tellern wird langsam gekocht und gegessen.




Einmal waren wir an einem Berg, wo es über 100 Buddhastatuen gab, jede mit eigener Geschichte. Die gesamten zwei Wochen haben wir uns nur auf Chinesisch unterhalten bzw. hatten chinesische Reiseführer, deswegen kann ich über die verschiedenen Orte auch nur eher wenig sagen, weil ich mich bemüht habe, soweit wie möglich mitzukommen und ungefähr zu verstehen, worum es geht, was immer noch sehr schwierig ist, weil es unheimlich viel Konzentration verlangt, sich 24 Stunden am Tag so lange Zeit zu konzentrieren (Yangzi und ich haben auch in einem Bett geschlafen, also war alles sehr intensiv).








Einmal waren wir beide in einem Steakrestaurant, und es hat mir die Zehennägel aufgerollt. Ich habe ja viel anthropologisches Verständnis für diese so andere Kultur. Aber. Es wird ja vieles aus dem Westen kopiert, nur die Salatbars gehen GAR NICHT. Bei der Salatbar (und die war keine Ausnahme hier) gab es mehr Obst als Gemüse, und von den 4 Dressings war eines ohne Schmäh Vanillepudding mit Mayonnaise gemischt und eines lila Gelee mit Fruchtgeschmack. Leider konnte man sich nur einmal eine Schüssel voll holen, und das hat echt geschmerzt.

Das sind die Mutter, Yangzi und ich, Milch aus Tüten trinkend...
Dann haben wir zwei mal einen Zwei-Tages-Ausflug nach Qufu, der Konfuzius-Stadt, und Taishan, dem berühmtesten Berg Chinas, gemacht. Da Yangzi aber noch nie irgendwo allein hingefahren ist, haben wir uns einer chinesischen Reisegruppe angeschlossen, was im Endeffekt wir und noch 3 andere Chinesen waren. Der Reiseführer hat immens schnell geredet und Yangzi hat mir alles auf langsames Chinesisch übersetzt. Diese zwei Bäume symbolisieren einen Drachen links und einen Phönix rechts.

Das war das Gebäude, in dem Konfuzius unterrichtet hat.


Ein Tier (kein Drache), das die Sonne verspeisen wollte und draufgegangen ist, und die Menschen davor warnen soll, habgierig zu sein.
Grabhügel
Die meisten der Steine mit Inschriften wurden während der Kulturrevolution beschädigt und später wieder zusammengesetzt wie dieser hier.
Einige Steine aber wurden damals verschont, wie der hier zum Beispiel, weil der Name des Menschen, der die Zeichen hier reingemeißelt hat, das Zeichen für Partei enthält...


Nach einer Nacht in einem abgefackten, "Psycho"esken Hotel mit Bad ohne Türklinke (ja, ich hab mich drin eingesperrt...) sind wir dann auf den Taishan geSTIEGEN. In China ist Bergsteigen nämlich Stiegensteigen. Lahm.



Auf dem Weg zu den Gipfeln gab es reichlich Gelegenheit, zu beten und Geld für Kerzen und Schlösser für den Frieden loszuwerden.




Auf einer der vielen Raststationen.










Oben angekommen war ich ehrlich gesagt ziemlich enttäuscht, weil auch der heilige Berg Chinas durch den Massentourismus entweiht wurde und wird.
An einem anderen Tag waren wir am Gelben Fluss.

Dann sind wir für 4 Tage nach Tianjin zum Bruder der Mutter gefahren, der so nett war und ziemlich deutliches Hochchinesisch gesprochen hat. Er war extrem interessiert, soviel wie möglich über meine Perspektive als Westlerin zu erfahren und hat mir immer wieder aus dem Nichts Fragen an den Kopf geworfen wie: Was hältst du von Euthanasie? Glaubst du an die Möglichkeit eines dritten Weltkriegs? Was sagst du zu außerehelichen Affären? bzw. hat er Aussagen von sich gegeben wie Ihr in Europa habt alle nur falsche Demokratien oder Die europäischen Sprachen sind ja fast alle gleich. Bei diesen Aussagen ist mir natürlich das Geimpfte aufgegangen (oder so), weil mein Chinesisch natürlich bei weitem nicht ausreicht, da was dagegenzuhalten. Also war ich oft einfach ziemlich frustriert, vor allem weil Yangzi für ihre 21 Jahre wahnsinnig naiv und 14-jährig ist und ihr sämtliches Wissen über "den Westen" aus amerikanischen Soaps bezieht, und zu allem die konservativste Position eingenommen hat. Hier sind wir dabei, eine zuckrige Suppe mit süßer Einlage zu essen.

Hier haben wir uns traditionelle Wohnbauten angeschaut mit Unterrichtszimmer neben den Schlafzimmern und einer Feuerlöschwagen.


Hier stehe ich vor einem steinernen Bai Cai (Grünkohl), wobei Cai auch Reichtum heißen kann, und das ist hier ja eins der wichtigsten Dinge.

Außerdem hat sich der Onkel einen Spaß drausgemacht, mir Speisen vorzusetzen, die mich schocken könnten. Die Seegurke hier war noch das leckerste. Aber als wir dann einmal Abendessen gegangen sind und er gemeint hat, heute essen wir was ganz Normales, und dann als Vorspeise gebackene Hühnerfüße und als Hauptspeise seltsames Fleisch gekommen ist, und er mir nicht sagen wollte, was das ist, bis ich es nicht gegessen hatte, da war's dann Schluss mit lustig. Und es war Kröte, glaub ich.




(das rechts unten ist von mir angeknabbert)

Ein paar Mal waren wir bei der Oma essen, die auch eher verständlich gesprochen hat und sehr süß war. Das Größenverhältnis hier stimmt. Ich stehe neben ihr.

Ihre Wohnung (bzw die des Onkels in Jinan) ist im 24. Stock.
Das ist die Mutter bei der Teezeremonie, die sie mir paar Mal vorgeführt haben, die aber wahrscheinlich eher japanisch angehaucht ist.







Gegen Ende hab ich's fast nimmer gepackt, als wir dann einmal zu "DER Quelle unter dem Himmel, also auf ganz Erden" gefahren sind, "mit 1000 bunten Lichtern" und es sich als Disneyland-Farce mit ein paar Teichen entpuppt hat. Wir waren eine chinesische Familie unter 100en, die alle Fotos gemacht haben. Das ist der "Please kill me now"-Look auf meinem Gesicht.
Aber jetzt bin ich zurück in Hangzhou und habe wieder einen freien Willen. Die von der Mutter geschenkt bekommenen Schweinefüße hab ich Hu Mingdong geschenkt. Die dort zu kosten, war schlimmer als die Kröte zu essen. Die Konsistenz war wie Schokopudding, mit Knochen drin. Am Ende der zwei Wochen seh ich durch das viele zum Essen gezwungen Werden aus wie ein kleiner Buddha, weil das Essen auch die einzig anerkannte Form des Dankbarkeitausdrückens war. Ich bin froh, wieder selbst entscheiden zu können und bin in ein neues Zimmer im 4. Stock übersiedelt. Jetzt geht's mir gut.