Samstag, 9. Mai 2009

midi

Ich sitz an meinem Tisch in meinem Zimmer, draußen dunkelt es, ich kann ein halbnacktes Liebespaar im Zimmer gegenüber bespechteln und die Fledermäuse fliegen durch die kühle Sommernacht. Heut vormittag war's soweit und ich musste das erste Mal die Klimaanlage einschalten, weil's so unterträglich heiß war. Dafür ist es am Nachmittag ur angenehm abgekühlt mit bissl Wind. Ich hör Stars (und in letzter Zeit Headphones, The Metal Hearts, Imogen Heap), hab gestern nen grottenlahmen Film geschaut (August), und vor einem Monat am anderen Campus nach einem Musikjam Hühnerherzen am Schaschlik-Staberl gegessen. Heute gab's eine Lehrerversammlung, weil ein Chinese mit Schweinegrippe aus den USA zurückgekehrt ist und ein Lehrer unserer Uni im selben Flieger war. Die Panik greift um sich. Viele Mexikaner werden mancherorts festgehalten bzw. am Reisen gehindert. Uns wurde angeraten, möglichst an keine Orte mit vielen Menschen zu gehen (ha!), nicht zu verreisen und bei Fernbleiben vom Unterricht auf JEDEN Fall ein SMS an die Lehrer zu schicken. Grad heute hab ich ne Fieberblase gekriegt.
Das Midi-Rockfestival war toll. Es war klein und überschaubar mit nur einer Bühne mit Bands (10 pro Tag, meisten aus China) und einer Electronica-Bühne. Der Zeltbereich war so schlammig nach dem Regen am zweiten Tag, dass es einen Tunnel von Polizisten gab, die einen quasi rauf- und runtergeschoben haben (man konnte diesen Bereich nur über ein eher steiles Stück Weg erreichen). Die Hinfahrt war auch wieder was. Wir sind um 2 Uhr in der Früh per Zug dort hingefahren zum Festival und nichtsahnend bin ich davor am Abend noch schwimmen gegangen und hab nix vorgeschlafen. Ja. Dann kommen wir zum Zug und es stellt sich raus, Quan Ge hat für uns (okay, ich hatte keine Schlafwagenplätze erwartet. vielleicht auch keine weichen Sitzplätze. aber harte wären schon gegangen.) Tickets mit "kein Sitzplatz" besorgt. Das heißt, wir waren in einem gsteckt vollen Abteil mit Riesenrucksäcken und die Gänge waren voller Menschen, die da 6 Stunden lang versucht haben, zu schlafen. Dann hatte der Zug noch ure lange Aufenthalte und wir sind erst um 10 Uhr vormittags angekommen. Ich konnte mich irgendwo dazwischenquetschen und hab alternierend mit dem Kopf über dem Schoß eines Chinesen hängend bzw zwischen Jaspers Beinen, der da im Stehen gepennt hat, gedöst. Das war ein Spaß. Nach der Ankomme haben wir ne Gruppe von Polizisten gefragt, wo man Essen kann in der Nähe, woraufhin sie uns ihr gesamtes Essen geschenkt haben (Reis mit Gemüse. und Fleisch). Cui Jian, der Großvater des Rock in China, hat am ersten Abend gespielt, am zweiten Tag gab's nur Regen und Kälte und der dritte Tag war geprägt von Wasserpistolenspielen und Chinesen, die sich mit uns fotografieren lassen wollten, weil wir so nen Tumult veranstaltet haben (und überhaupt ausgeschaut haben wie irgendwas aus Tank Girl (vor allem Sloan und ich)), die dann auch unter Wasserbeschuss gerieten. Yang Guangdi (mit Strohhut) hat sich mit Schlamm Mud auf den Arm geschrieben und hat jetzt noch den Sonnenbräune-Abdruck davon. Die Abende hab ich regelmäßig halb verpennt, was auch ure gemütlich war. Adam war am Anfang mit, und ist gestern heimgeflogen, was am Flughafen auch noch ne Prozedur war, weil sie ihn kurz nicht ins Flugzeug lassen wollten, aber ich war mit und wir haben geflucht und geschrien, bis es gegangen ist. Er hat zu mir wegen meiner seine leicht übersteigenden Chinesischkenntnisse gesagt, You MVP'ed this trip (MVP=most valuable player). Ich geh fast jeden Tag schwimmen, was ure gut tut und den am Festival angefressenen Speck wegschwemmt (ich hab jetzt noch 4 Erdnussbuttergläser im Zimmer. DAS Sandwich der drei Tage war wohl ein Erdnussbuttersandwich mit eingelegtem ganzen Tunfisch mit Gräten und in Plastik geschweißtem schwarzen (Grüntee-(?)) Ei. Dazu: mit Reisschnaps gewaschene Karotte (weil der zum Trinken viel zu scharf war).)